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Gastbeitrag: Dermogenys pusillus / Halbschnabelhechtling

8.09.05  von Jürgen Lauer

Gastbeitrag von Jürgen Lauer.

Den nachfolgenden Bericht mit “Zuchtbericht” zu überschreiben wäre etwas vermessen.
Es soll kein wissenschaftlich fundierte Zuchtbericht sein, sondern lediglich meine ersten Erfahrungen mit den Halbschnabelhechtlingen wiederspiegeln.

Halbschnabelhechtling

Foto© Henry Buchmann

Im Frühjahr 2005 fand unser diesjähriges Züchtertreffen (VDA, Bezirk 13) unter dem Thema “Lebendgebärende” statt.

Was mich außer dem sehr informativen Vortrag erfreute, war die Tatsache, dass der Referent (Dieter Bork)
verschiedene Nachzuchten außergewöhnlicher Lebendgebärender bei sich hatte und bereit war abzugeben.

So erwarb ich 4 halbwüchsige, mir völlig unbekannte Halbschnabelhechtlinge ( Dermogenys pusillus ).

Zu Hause bezogen sie dann ein ca. 90 Liter fassendes Zuchtbecken, das bis dahin nur von einer Gruppe Rineloricaria sp. bewohnt war.
Danach durchstöberte ich das Internet nach Informationen zu Halbschnäblern.

Was ich da überwiegend las, stimmte mich nicht gerade erfreut:

Futterfragen

Am nächsten Tag stellte sich mir natürlich die Frage, wo bekomme ich jetzt passendes Lebendfutter her?
Mir fiel nichts ein und ich gab deshalb einfach ein paar Futterflocken in das Halbschnäblerbecken. Und siehe da: die angeblich nur mit Lebendfutter zu ernährenden Fische fraßen gierig die Flocken.
In den darauf folgenden Tagen gab ich dann Granulatfutter und Frostfutter dazu. Und es wurde alles ohne wenn und aber gefressen und die Fische wuchsen prächtig heran.

Somit war die erste Hürde schon einmal geschafft – Glück gehabt.

Zuchtbemühungen

Jetzt wollte ich natürlich auch Nachwuchs von den prächtigen Tieren.
Wenn schon dass Fressen kein Problem war, dann musste aber doch die Zucht schwierig sein; es soll sich ja schließlich um einen problematischen Fisch handeln.
Vorsorglich hielt ich Rücksprache mit einem VDA-Züchter (Herrn Manfred Rank, dem ich auf diesem Wege auch danken will), der schon längere Zeit Dermogensy pusillus züchtet.
Der schrieb einleitend in seiner Antwort: “Es gibt nichts Einfacheres als diesen Fisch nachzuzüchten.”

Prima, also probieren wir es einmal.

Ca 4 Wochen nachdem ich die Fische erstanden hatte, bekam das Weibchen, das deutlich größer als das Männchen ist, einen Bauchansatz. Sollte es tatsächlich schon Nachwuchs in sich tragen?

Schnell überführte ich vorsichtig das Weibchen in ein 10 l Aquarium. In diesem Aquarium befand sich neben der erforderlichen Technik (Heizer, HMF) nur eine Handvoll Schwimmpflanzen, damit das Weibchen etwas Deckung hatte und nicht so scheu wurde.
Ich musste nicht lange warten. Genau einen Tag! Dann war es soweit, das Weibchen gebar ca. 30 Junge.

von Oben

Foto© Henry Buchmann

Aufzucht

Das Weibchen wechselte wieder in das Hälterungsbecken und die Jungen verblieben im 10 l Becken. Was sollte ich jetzt den Jungen füttern? Artemia wäre ja eine Möglichkeit, die aber sehr schnell zu Boden sinken und vermutlich von den jungen Halbschnäblern, die ja ausgesprochene Oberflächenfische sind, nicht erreicht werden. Aber auch hier weit gefehlt!
Der Nachwuchs fraß die Artemia auch knapp über der Bodenscheibe sehr gierig. Das gleiche gilt für Grindal, fein zermahlenes Flockenfutter und feines Granulatfutter.

Zwischenzeitlich habe ich bereits 4 verschiedene “Würfe” in unterschiedlichen Aufzuchtbecken schwimmen. Bislang ohne einen einzigen Ausfall!
Wichtig erscheint mir allerdings, dass man die Aufzuchtbecken nicht zu stark besetzt, da selbst die jüngsten Halbschnäbler streitsüchtig sind und ein kleines Revier für sich beanspruchen.

Zwei Todesfälle möchte ich aber nicht verschweigen. In meiner Ungeduld habe ich 3 junge Halbschnäbler bei einer Größe von ca 2,5 – 3 cm in mein Gesellschaftsbecken (150×50×50 cm) überführt.
Hier fielen sie sofort aufgrund ihrer sehr hellen Farbe auf. Da sie auch sehr schlank waren hielten meine Epiplatys dageti (Querbandhechtlinge) sie wohl für Futter und knabberten sie an, so dass zwei verstarben. Nachdem die “Dageti” jedoch bemerkt hatten, dass die jungen Halbschnäbler als Futter doch etwas zu groß sind, ließen sie den dritten Halbschnäbler in Ruhe. Auch bei 3 weiteren jungen Halbschnäblern verlief das Umsetzen ins Gesellschaftsbecken ohne Probleme.

Geschlechtsunterschiede

Leider kann ich zur Unterscheidung der Geschlechter noch keine genauen Angaben machen.
In verschiedenen Büchern steht hierzu, dass die Afterflosse der Weibchen größer ist als die des Männchens. Das ist wohl so. Allerdings habe ich hierauf nicht sonderlich geachtet, da ich meine Tiere immer aufgrund der Größe und des Verhaltens als Männchen oder Weibchen unterscheiden konnte.
Bei meinen erwachsenen Tieren ist das Weibchen deutlich größer und fülliger als das Männchen. Und was auch noch sofort ins Auge fällt, ist die Tatsache, dass das Männchen stets hinter dem Weibchen, etwas unterhalb schwimmt. Jede Bewegung des Weibchens macht das Männchen so dann mit. Es hat den Eindruck, dass das Männchen immer die Afterflosse des Weibchens im Auge hat um allzeit zur Begattung bereit zu sein.

Jürgen

 

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